Der XXL-Flop
Wie sich die Berliner Grünen zwischen „Pinken Karten“ und gähnender Leere selbst zerlegen
Der Plan war grandios: Das größte grüne Mitgliedertreffen aller Zeiten sollte das Estrel Hotel in Neukölln zum Beben bringen. 18.000 Mitglieder waren geladen, die Instagram-Trommeln rührten den Werbewirbel bis zum Anschlag. Doch am Ende blieb von der „XXL-Vision“ nur eine XXL-Blamage. Wenn eine Partei mobilisieren will und nicht einmal 10 % der Basis erscheinen, stellt sich die Frage: Schaffen sich die Grünen gerade im Eiltempo selbst ab?
Geister-Parteitag in Neukölln: Wenn keiner kommt, wird’s peinlich
Landes-Chefin Nina Stahr gab sich kämpferisch: „Nicht erscheinen gibt’s hier nicht.“ Die Realität am Wochenende sah anders aus. Statt der benötigten 2.700 Mitglieder für die Beschlussfähigkeit verloren sich gerade einmal 950 Getreue in den weiten Hallen des Estrel.
Die Konsequenz? Ein hastiger Rückzug auf das Format eines normalen Delegiertenparteitages. Doch selbst die 182 gewählten Delegierten glänzten teilweise durch Abwesenheit. Versammlungsleiter Daniel Wesener musste am Sonntagvormittag sichtlich genervt hoffen, dass der Rest noch „eintrudelt“. Ein Offenbarungseid für eine Partei, die für sich beansprucht, die Menschen zu bewegen.
„Kritische Männlichkeit“ als politischer Stolperstein
Während die Reihen leer blieben, feierte man intern die üblichen ideologischen Spielchen. Besonders skurril: Die Inszenierung der „kritischen Männlichkeit“. In einer Phase, in der Berlin vor realen Problemen wie Wohnungsnot und Sicherheitsfragen steht, wurden männliche Bewerber ernsthaft gefragt:
„Wann hast Du zuletzt an einem Workshop zu kritischer Männlichkeit teilgenommen?“
Gekrönt wurde das Ganze durch das Prinzip der „Pinken Karte“: Fragen von Männern an Kandidaten wurden schlichtweg nicht zugelassen, weil Frauen per Veto-Karte den Daumen senkten. Diese Form der Selbstbeschäftigung wirkt in den Augen vieler Wähler nicht mehr progressiv, sondern schlichtweg lächerlich. Wer die eigene Basis nicht mehr erreicht und stattdessen Workshops über das eigene Geschlecht zum Qualitätsmerkmal für Abgeordnete erhebt, verliert den Kontakt zur Realität.
Realitätsfern im Elfenbeinturm
Zwar gab es für Ricarda Lang viel Applaus für ihre warmen Worte über die Berliner Nachbarschaft, doch die harten Zahlen des Wochenendes sprechen eine andere Sprache. Wenn Abgeordnete wie Vasili Franco mit gerade einmal 145 abgegebenen Stimmen auf wichtige Listenplätze gewählt werden, fehlt der Rückhalt in der Breite.
Fazit: Der XXL-Parteitag war ein Lehrstück in Sachen politischer Irrelevanz. Zwischen dem Schimpfen auf den „Sch… Senat“ und der obsessiven Analyse männlicher Rollenbilder scheinen die Grünen zu vergessen, dass Politik Mehrheiten braucht. Wenn die eigene Partei nicht einmal mehr zu den eigenen Festspielen erscheint, ist der Weg in die Bedeutungslosigkeit nicht mehr weit.
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