Die Gedenk-Gala der selektiven Empathie: Wenn Politik auf Stimmenfang geht
In Dortmund wehten die Fahnen wieder auf Halbmast, die Mienen waren staatstragend grau, und die Worte von Ministerpräsident Hendrik Wüst so geschliffen, dass man die politische Absicht dahinter fast überhört hätte. „Einer von uns“ sei Mehmet Kubaşık gewesen. Eine schöne Formel. Eine richtige Formel. Doch wer genau hinhörte, dem drängte sich ein ganz anderer Verdacht auf: Geht es hier wirklich um das Gedenken an einen Toten, oder ist dies die Eröffnung des nächsten Wahlkampf-Segments?
Die Hierarchie des Leids
Es ist ein Muster, das sich durch die deutsche Polit-Landschaft zieht wie ein roter Faden: Es gibt die „nützlichen“ Opfer und die „unbequemen“ Toten. Wer durch die Hand eines rechten Einzeltäters stirbt, darf mit der vollen Kapelle des Staatsakts rechnen. Da wird entschuldigt, da wird mahnend der Finger gehoben, da wird das Narrativ der „gelungenen Migration“ wie eine Monstranz vorangetragen.
Doch wo bleibt der Staatsbesuch bei den Hinterbliebenen von Opfern, die nicht der islamischen Migrantenszene zuzuordnen sind? Wo sind die eindringlichen Appelle gegen den Hass, wenn der Täter nicht in das Raster des „rechten Schreckgespinstes“ passt, sondern aus dem Milieu einer gescheiterten Integration oder des radikalen Islamismus stammt?
Das Kalkül: Schielen auf die „Migranten-Stimmen“
Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, warum ein Hendrik Wüst oder seine Kollegen so agieren. In einer Zeit, in der bürgerliche Mehrheiten schwinden, wird das „Klientel der Migranten“ zur entscheidenden Manövriermasse an der Wahlurne.
- Symbolpolitik statt Sicherheit: Es ist deutlich einfacher, vor einem Kiosk in Dortmund Betroffenheit zu heucheln, als die harten Fakten der täglichen Messergewalt in deutschen Innenstädten anzugehen.
- Wählerstimmen-Import: Wer die Opfer von Migrantengewalt konsequent totschweigt oder als „statistische Ausreißer“ abtut, schützt nicht die Gesellschaft – er schützt sein eigenes Wahlergebnis bei denjenigen, die er nicht verschrecken will.
Statistischer Nonsens als Feigenblatt
Wenn wir heute jüdische Buchhandlungen mit Polizeigewalt schützen müssen, während Angriffe auf Moscheen oft auf dem Niveau von jugendlichen Schmierereien verharren, dann ist die staatliche Prioritätensetzung schlichtweg unehrlich. Dass Politiker so tun, als sei die größte Gefahr für den Zusammenhalt ein Jahrzehnte alter NSU-Fall, während aktuell Menschen auf offener Straße Opfer religiöser Intoleranz werden, ist ein Schlag ins Gesicht jeder bürgerlichen Vernunft.
Ein vermeidbarer Tod: Der Fall Philipos Tsanis
Im Juni 2024 wurde Philipos Tsanis im Kurpark von Bad Oeynhausen zu Tode geprügelt. Er war 20 Jahre alt, hatte sein ganzes Leben vor sich. Der Täter: ein 18-jähriger Syrer, den die Behörden längst als „Schwellentäter“ auf dem Schirm hatten. Doch während Politiker wie Hendrik Wüst bei anderen Gelegenheiten medienwirksam um Vergebung für „Ermittlungsfehler“ bitten, herrscht im Fall Philipos vor allem eines: betretenes Schweigen und das Verschieben von Zuständigkeiten.
Die Recherchen sind ein Schlag ins Gesicht für jedes Opfer von Gewalt. Der mutmaßliche Mörder Mwafak Al S. war kein Unbekannter. Raub, Diebstahl, Drogen – seine kriminelle Karriere in Pforzheim war aktenkundig. Doch als er nach NRW zog, passierte... nichts. Die Ausländerakte? Nicht übersandt. Die polizeilichen Warnungen? Im bürokratischen Nirgendwo zwischen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen versackt. Philipos musste sterben, weil der deutsche Staat im Jahr 2024 nicht in der Lage (oder nicht gewillt) war, Informationen über einen gewaltbereiten Intensivstraftäter rechtzeitig von A nach B zu schicken.
Die bittere Ironie des Gedenkens
Es ist dieser Kontrast, der die Menschen wütend macht:
- Szenario A: Ein rechter Anschlag geschieht. Sofort rückt die Polit-Prominenz an, es gibt Staatsakte, Lichterketten und das Versprechen: „Nie wieder“.
- Szenario B: Ein junger Mann wird von einem Migranten getötet, der längst hätte abgeschoben oder hinter Gittern sitzen müssen. Die Reaktion? Man spricht von „Einzelfällen“, warnt vor „Generalverdacht“ und verweist auf „kommunikative Defizite zwischen Behörden“.
Das Kalkül hinter der Stille
Warum gibt es für Philipos keine nationale Mahnwache unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten? Warum wird sein Name nicht in einem Atemzug mit den Opfern von Solingen genannt? Die Antwort ist so zynisch wie simpel: Philipos passt nicht in das Narrativ. Sein Tod stellt unbequeme Fragen zur Migrationspolitik, zur inneren Sicherheit und zur mangelnden Härte gegenüber kriminellen Schutzsuchenden.
Politiker wie Wüst schielen auf die Stimmen eines Klientels, das sie nicht durch eine ehrliche Debatte über Migrantengewalt verschrecken wollen. Es ist bequemer, gegen den „Hass von rechts“ zu wettern, als zuzugeben, dass der Staat seine Schutzfunktion gegenüber den eigenen Bürgern – und dazu gehörte der griechischstämmige Philipos genauso wie jeder andere – kläglich aufgegeben hat.
Gedenken ohne Rückgrat
Gerechtigkeit ist nicht teilbar. Ein Staat, der seine Toten nach politischer Verwertbarkeit sortiert, verliert seine moralische Integrität. Wer die Fehler beim NSU-Mord (zurecht) anprangert, darf bei der tödlichen Schlamperei im Fall Bad Oeynhausen nicht schweigen.
Philipos Tsanis steht für tausende Opfer einer Gewalt, die durch konsequentes Handeln der Behörden hätte verhindert werden können. Wahres Mitgefühl teilt Opfer nicht in Kategorien ein. Wer aber das Gedenken an den NSU-Mord nutzt, um Migration pauschal positiv darzustellen und gleichzeitig die Augen vor der blutigen Realität der Islamisten-Gewalt verschließt, betreibt keine Trauerarbeit. Er betreibt politische Imagepflege auf dem Rücken der Toten.
Es wird Zeit, dass wir eine Politik einfordern, die das Kreuz des jungen Philipp genauso würdigt wie das Schicksal von Mehmet Kubaşık. Alles andere ist kein Gedenken, sondern purer Opportunismus.
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