Hamburgs Kontrollverlust: Vom Steindamm bis Alsterdorf
Der Hamburger Steindamm zeigt die Folgen verfehlter Stadtpolitik. Von der Crack-Welle der 90er über das „Horrorhaus“ bis zu heutigen Kalifats-Demos kapitulierte die Ordnung. Doch der Verfall frisst sich weiter: Das misslungene Asylheim in Alsterdorf beweist, dass Hamburgs urbane Struktur kippt.
Der Steindamm in Hamburg-St. Georg ist das Paradebeispiel für einen radikalen urbanen Strukturwandel – und für die Kehrseite einer verfehlten Integrations- und Stadtentwicklungspolitik. Wer die Straße heute hinabgeht, blickt auf die Trümmer einer einst bürgerlichen Hamburger Kultur- und Wirtschaftsmeile. Wo früher die Deutschland-Zentrale des Weltkonzerns Philips für Modernität und Kaufkraft sorgte, herrscht heute ein Zustand, der mit dem Begriff „urbaner Verfall“ kaum noch übertrieben beschrieben ist.
Dieser Niedergang kam jedoch nicht über Nacht, und er hat eine tiefere, von der Politik forcierte Vorgeschichte. Anfang der 1990er-Jahre begann die Hamburger Politik und Polizei mit einer gezielten Vertreibungspolitik: Die offene Drogen- und Clean-Szene wurde massiv vom eigentlichen Bahnhofsgelände und dem benachbarten Hansaplatz verdrängt. Die Szene wich dorthin aus, wo der Widerstand am geringsten war – allen voran auf den Steindamm.