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Meinung

Die Inszenierung der Täterin und die Realität des Verbrechens

Christa Pike überlebte eine gescheiterte Hinrichtung. Seither bestimmen Berichte über ihr Leiden die Schlagzeilen. Doch wer erinnert an Colleen Slemmer, die 1995 auf grausame Weise ermordet wurde? Ein Kommentar über mediale Täterzentrierung, verdrängte Opfer sowie die Verantwortung des Rechtsstaats.

Die Inszenierung der Täterin und die Realität des Verbrechens
Christa Pike überlebte einen Hinrichtungsversuch. Neue Berichte kreisen um ihr Leiden. Doch das Mordopfer Colleen Slemmer gerät in Vergessenheit. Illustration: Dawid Jan Wiczorov / Vossische.

Wenn ein Vollstreckungsverfahren scheitert, schaltet die Medienmaschinerie oft reflexartig auf Mitleid und Inszenierung um. Im Fall von Christa Pike wird die Mörderin seit Wochen in den Berichten als gepeinigte Figur dargestellt, die unter den physischen und psychischen Folgen einer fehlerhaften Hinrichtung leidet. Doch bei aller berechtigten Kritik an handwerklichen Pannen des Staates wird dabei völlig verdrängt, wer hier eigentlich die Täterin und wer das wehrlose Opfer ist.

Die ständige mediale Präsenz von Aussagen und Zustandsberichten der Inhaftierten verzerrt die Realität. Colleen Slemmer, das tatsächliche Opfer, wird auf eine Randnotiz in der Statistik reduziert – auf eine kurze Zeile in Artikeln, die sich seitenlang dem Befinden einer verurteilten Mörderin widmen.

Der brutale Mord an Colleen Slemmer: Die Fakten der Tat

Um zu begreifen, warum jede Form von Mitleid mit Christa Pike fehl am Platz ist, muss man sich vor Augen führen, was im Januar 1995 im US-Bundesstaat Tennessee geschah. Die damals 19-jährige Colleen Slemmer wurde von Pike und ihren Komplizen unter einem Vorwand in ein bewaldetes Gebiet auf dem Campus der University of Tennessee in Knoxville gelockt.

Was folgte, war eine minutiös geplante und grausame Tortur:

  • Die physische Zerstörung: Slemmer wurde über einen langen Zeitraum hinweg brutal misshandelt, geschlagen und mit Messern schwer verletzt. Die Rechtsmedizin dokumentierte später eine unzählbare Menge an Stich- und Schnittwunden am gesamten Oberkörper sowie einen fast zehn Zentimeter tiefen, gähnenden Schnitt am Hals.
  • Der Hassakt: Die Täter ritzten ein Pentagramm in die Brust des jungen Mädchens. Schließlich wurde Colleen Slemmer mit einem schweren Asphaltblock erschlagen, wobei Teile ihres Schädels durch die Wucht der Schläge ins Gehirn gedrückt wurden.
  • Die Trophäe: Die Grausamkeit endete nicht mit dem Tod. Pike schnitt der leblosen Colleen ein Stück der Schädeldecke ab, steckte es in ihre Jacke und nahm es am nächsten Morgen mit in die Schule, um es anderen Schülern stolz zu zeigen.

Einordnung und Konsequenz

Die Gerichte und Geschworenen sahen in diesem unfassbaren Maß an Entmenschlichung und geplanter Grausamkeit die Begründung für das Todesurteil im Jahr 1996. Dass nun durch juristische Pannen der Eindruck entsteht, die Täterin müsse vor den Folgen ihrer eigenen Hinrichtung geschützt oder gar bedauert werden, ist ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen.

Eine Mörderin, die einem anderen Menschen auf so bestialische Weise das Leben und die Würde genommen hat, ist durch eine technische Panne kein moralisches Opfer geworden. Die Aufmerksamkeit gehört nicht den Schilderungen der Überlebenden einer Giftspritze, sondern der Erinnerung an Colleen Slemmer und der unumstößlichen Härte des Rechtsstaates gegenüber barbarischem Verbrechen.


Todesstrafe, Kriminalität, Justiz, Medienkritik, Colleen Slemmer

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Geschrieben von

Bianca Moreau
Bianca Moreau schreibt für Die Vossische über Politik, Gesellschaft, Medien und Kultur. Ihr Schwerpunkt liegt auf zugänglichen Analysen aktueller Debatten, gesellschaftlicher Konflikte und öffentlicher Inszenierungen.

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