Digitale Naivität im Regierungsviertel

Digitale Naivität im Regierungsviertel
Was wir brauchen, ist keine Debatte über App-Verbote, sondern eine radikale Nachschulung in Sachen Medienkompetenz und IT-Sicherheit

Wenn die Brandmauer im Kopf fehlt

Es ist das Jahr 2026, und man sollte meinen, dass Begriffe wie Social Engineering oder Phishing zum Standardrepertoire eines jeden gehören, der Verantwortung für staatliche Sicherheit oder öffentliche Information trägt. Doch die Realität im Berliner Regierungsviertel zeichnet ein erschreckendes Bild von Ignoranz und mangelnder Sensibilität.

Der „Faktor Mensch“ als größte Sicherheitslücke

Während Sicherheitsbehörden wie das BSI bereits seit Februar explizit vor gezielten Angriffen warnten, tappten hochrangige Politiker – darunter sogar Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) – bereitwillig in die Falle. Die Masche war dabei fast schon banal: Eine Nachricht vom vermeintlichen „Signal Support“ forderte zur Eingabe einer PIN oder zum Scannen eines QR-Codes auf.

Wer hier klickt, liefert nicht nur seine privaten Chats aus, sondern öffnet Tür und Tor für den Zugriff auf:

  • Komplette Adressbücher
  • Interne Chatgruppen (einschließlich des Bundestagspräsidiums)
  • Sensible Kommunikation, die bis zu 45 Tage zurückreicht

Dass ausgerechnet Personen in Schlüsselpositionen auf solche durchschaubaren Tricks hereinfallen, ist mehr als nur peinlich – es ist ein Sicherheitsrisiko für den Staat.

Absurde Forderungen statt Selbstreflexion

Leon Berger

Leon Berger

Leon Berger (*2003, München) vereint bayerisches Handwerk mit globalem Blick. Nach Abi & Volontariat schärften Einsätze in Washington D.C. und Tel Aviv sein Profil.
Washington