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Frankreichs Schüler? Randalierer sind keine Generation

Brennende Barrikaden sind kein Mandat: Wer Schulen zerstört und Lehrer angreift, spricht nicht für Frankreichs Schüler. Der Kommentar zeigt, warum berechtigter Protest und brutale Gewalt getrennt werden müssen – und weshalb die pauschale Generationserzählung den Randalierern in die Hände spielt.

Frankreichs Schüler? Randalierer sind keine Generation
Wer Schulen verwüstet und Lehrer angreift, spricht für keine Generation. Warum Frankreichs Randalierer keine Schülervertretung sind. Illustration by Richard Bergsirk

Wer Schulen verwüstet und Lehrer angreift, spricht nicht für eine ganze Schülergeneration. Die pauschale Erzählung von „Frankreichs Schülern“ verwischt den Unterschied zwischen berechtigtem Protest, friedlichen Blockaden und brutaler Gewalt.

„Frankreich brennt.“ „Frankreichs Schüler haben die Schnauze voll.“ Zwei Sätze, und die Rollen sind verteilt: hier eine angeblich geschlossene Jugend, dort ein Staat, der ihre Zukunft verscherbelt. Brennende Barrikaden liefern die passende Kulisse.

Nur fehlt dieser Erzählung die entscheidende Frage: Wer handelt hier eigentlich für wen?

Eine angezündete Mülltonne besitzt kein Mandat. Ein vermummter Steinewerfer ist kein gewählter Sprecher der französischen Jugend. Und wer einen Schulleiter zusammenschlägt, führt keine besonders nachdrückliche Bildungsdebatte.

Die Mehrheit bleibt außerhalb der Schlagzeilen

Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am 8. Oktober ungefähr 96 Prozent der französischen Lycées geöffnet. Für den 13. Oktober wurden 214 geschlossene Einrichtungen unter rund 3.700 Lycées gemeldet. Rechnerisch waren damit etwa 94 Prozent nicht geschlossen.

Das ist keine Anwesenheitsstatistik. Ein geöffnetes Schulgebäude garantiert weder vollständigen Unterricht noch die Anwesenheit jedes Schülers. Aber die Zahlen zeigen, wie schief das Bild eines flächendeckend lahmgelegten Schulsystems wäre.

Für die Behauptung, eine Mehrheit der Schüler beteilige sich an den Protesten, fehlt in dem vorgelegten Artikel der Beleg. Erst recht fehlt er für eine Mehrheit, die randaliert.

Dabei ist die Trennung selbstverständlich: Wer friedlich demonstriert, ist kein Gewalttäter. Wer eine Schule blockiert, hat damit noch keine Scheibe eingeschlagen. Und ein Festgenommener ist nicht automatisch ein überführter Straftäter.

Wer sind die Gewalttäter?

Der am 14. Oktober veröffentlichte Justizstand nennt 7.950 Fälle von Polizeigewahrsam. Rund 85 Prozent der Betroffenen waren minderjährig. Gegen 2.735 Personen wurden strafrechtliche Verfolgungsmaßnahmen eingeleitet.

Doch selbst der Anteil tatsächlicher Schüler und Studenten unter den Festgenommenen war nach dem Bericht nicht bekannt.

Es gibt dagegen konkrete Hinweise auf Außenstehende: Der Schulleiter eines Lycée in Clermont-Ferrand berichtete von vermummten Jugendlichen, die Feuerwerkskörper abschossen und nach seiner Aussage nicht zu seiner Schule gehörten. Auch in Évry-Courcouronnes beschrieb ein Schulleiter die Beteiligung von Jugendlichen von außerhalb.

Für Paris meldete die Polizeipräfektur am 8. Oktober außerdem eine Gruppe von ungefähr zwanzig Personen, die sie dem „Schwarzen Block“ zurechnete.

Wer all das unter „Frankreichs Schüler“ zusammenfasst, ersetzt die Täterbeschreibung durch eine Generationserzählung.

Die Bewegung breitete sich aus Vorstadtschulen auch auf renommierte Einrichtungen wie Henri-IV und Louis-le-Grand aus. Daraus folgt weder, dass alle Protestierenden aus armen Banlieues kommen, noch, dass alle Gewalttäter Schüler sind. Eine belastbare Aufschlüsselung der Täter nach Herkunft oder Religion liegt in den herangezogenen Quellen nicht vor.

Die Schule zerstören, um bessere Schulen zu verlangen?

Das Justizministerium bezifferte die Schäden an Schulen und anderen Einrichtungen bereits am 5. Oktober auf mehrere Millionen Euro.

Dieses Geld repariert anschließend, was mutwillig zerstört wurde. Es schafft keine zusätzlichen Unterrichtsräume und verbessert nicht die Ausstattung über ihren vorherigen Zustand hinaus.

Bei Marseille wurde nach Angaben der zuständigen Polizeipräfektin ein stellvertretender Schulleiter zu Boden geschlagen und getreten, als er eine brennende Mülltonne löschen wollte. Die AFP berichtete über den Fall am 8. Oktober.

Wer einen Pädagogen angreift, verschärft selbst die Bedingungen, über die andere Schüler zu Recht klagen.

Lehrer fehlen auch, weil der Beruf belastet

Lehrermangel lässt sich ebenfalls nicht auf einen einzigen Haushaltsbeschluss reduzieren. Staatliche Untersuchungen nennen Bezahlung, mangelnde Anerkennung, schwierige Stellenzuweisungen und belastende Arbeitsbedingungen. Dazu gehören Konflikte mit Schülern und Eltern.

Und zur französischen Schulwirklichkeit gehört die islamistische Bedrohung. Samuel Paty wurde nach einer Hetzkampagne wegen seines Unterrichts zur Freiheit der Meinungsäußerung ermordet. Dominique Bernard wurde ebenfalls Opfer islamistischen Terrors.

Diese Morde sind Tatsachen. Eine genaue Zahl darüber, wie stark die dadurch ausgelöste Angst den Lehrermangel beeinflusst, liefern die herangezogenen Untersuchungen nicht. Die Bedrohung aus einer Analyse der Arbeitsbedingungen auszublenden, wäre trotzdem eine erhebliche Lücke.

Wer Zerstörung erklärt, muss Verantwortung benennen

Marode Schulen müssen saniert werden. Fehlende Lehrer müssen eingestellt werden. Berechtigte Forderungen werden nicht dadurch falsch, dass andere Menschen Gewalt ausüben.

Aber Gewalt wird auch nicht dadurch zum Bildungsprotest, dass jemand neben einer brennenden Mülltonne mehr Geld für Schulen verlangt.

Journalismus muss beides auseinanderhalten. Er muss fragen, wer demonstriert, wer angreift und wer anderen den Unterricht unmöglich macht.

Frankreichs Schüler haben unterschiedliche Lebenslagen und unterschiedliche Ansichten. Sie verdienen eine präzise Beschreibung. Die Gewalttäter verdienen Ermittlungen. Niemand verdient es, durch eine dramatische Schlagzeile zum Vertreter einer ganzen Generation befördert zu werden.


Meta-Titel: Frankreichs Schüler: Wer protestiert, wer randaliert?

Meta-Description: Frankreichs Schulproteste: Wer demonstriert, wer zerstört? Randalierer vertreten keine Schülergeneration. Gewalt verschärft die Bildungskrise.

Excerpt: Brennende Barrikaden vertreten keine Schülergeneration. Frankreichs Schulproteste verlangen eine klare Trennung: berechtigte Forderungen, friedliche Demonstranten und Gewalttäter. Wer Schulen zerstört und Lehrer angreift, verschärft die Bildungskrise selbst.

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Quellen

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Geschrieben von

Cilla Zielinski
Cilla Zielinski ist Medizinerin und Feuilletonistin. Sie schreibt an der Schnittstelle von Wissenschaft, Design und Kultur und analysiert gesellschaftliche Trends mit präzisem, nüchternem Blick.

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