Gad Beck: Der schwule jüdische Widerstandskämpfer, den „Queers for Palestine“ lieber vergessen würden

Er war schwul. Er war Jude. Er rettete Verfolgte vor den Nazis und ging später nach Israel. Gad Becks Leben stellt „Queers for Palestine“ eine Frage, der sich viele Aktivisten lieber nicht stellen: Was ist ihre Solidarität wert, wenn sie ausgerechnet bei Juden endet?

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Gad Beck: Der schwule jüdische Widerstandskämpfer, den „Queers for Palestine“ lieber vergessen würden
Gad Beck: Schwuler Jude und Kämpfer gegen die Nazis

Er war Jude, homosexuell, Zionist und Widerstandskämpfer. Gad Beck rettete Verfolgte vor den Nationalsozialisten, lebte später in Israel – und stellt mit seiner Biografie die moralischen Gewissheiten einer neuen antiisraelischen Linken infrage.

Es gibt historische Persönlichkeiten, deren Leben sich nicht widerstandslos in die politischen Schubladen der Gegenwart pressen lässt. Gad Beck ist eine von ihnen.

Er war Jude. Er war homosexuell. Er war Zionist. Er kämpfte im Berliner Untergrund gegen die Nationalsozialisten, organisierte Verstecke, beschaffte Lebensmittel und half anderen Juden beim Überleben. Nach dem Krieg ging er dorthin, wohin es viele junge Juden zog, die Europa nicht länger als sicheren Ort betrachten konnten: nach Israel.

Allein diese vier Tatsachen machen Gad Beck zu einer Zumutung für Teile der heutigen identitätspolitischen Linken.

Denn sein Leben widerspricht jener bequemen Erzählung, nach der sich die Welt sauber in privilegierte Täter und marginalisierte Opfer aufteilen lasse. Beck war homosexuell und Jude, aber er war deshalb nicht automatisch Anhänger jeder Bewegung, die sich später mit Regenbogenfarben schmückte. Er verstand jüdische Selbstbehauptung nicht als moralisches Verbrechen. Er erlebte Zionismus nicht als koloniale Marotte, sondern als Antwort auf die existenzielle Erfahrung eines Volkes, das in Europa vernichtet werden sollte.

Gerade deshalb sollten wir heute an ihn erinnern.

Nicht als dekorative Figur für einen unverbindlichen „Pride Month“. Nicht als historisches Alibi für Institutionen, die Regenbogenflaggen hissen und zugleich schweigen, wenn jüdische Studenten bedroht, israelische Künstler ausgeladen oder die Massaker der Hamas relativiert werden. Sondern als Menschen, dessen Biografie eine unbequeme Frage stellt:

Was ist eine queere Solidarität wert, die endet, sobald das Opfer jüdisch ist?

Ein jüdisches Kind im nationalsozialistischen Berlin

Gad Beck wurde am 30. Juni 1923 als Gerhard Beck in Berlin geboren. Sein Vater Heinrich war Jude und stammte aus Wien; seine Mutter Hedwig war ursprünglich Protestantin und zum Judentum übergetreten. Gad wuchs mit seiner Zwillingsschwester Margot, später Miriam genannt, in Berlin-Weißensee auf.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, war er neun Jahre alt. Die Entrechtung kam nicht mit einem einzigen Schlag. Sie drang schrittweise in das Leben der Familie ein: wirtschaftlicher Ruin, Verlust von Rechten, erzwungene Wohnungswechsel, Ausschluss aus gesellschaftlichen Räumen und schließlich Zwangsarbeit.

Nachdem der Vater seine berufliche Existenz verloren hatte, mussten Gad und seine Schwester ihre reguläre Schulbildung abbrechen. Gad arbeitete zunächst in der Textilbranche, später als Zwangsarbeiter in einer Kartonfabrik. Er schloss sich jüdischen Jugendorganisationen an und kam über den Hechaluz, einen zionistischen Pionierverband, mit dem organisierten jüdischen Widerstand in Verbindung.

Schon als Jugendlicher wusste Beck, dass er Männer liebte. Seine Homosexualität war unter der nationalsozialistischen Herrschaft gefährlich, denn das Regime hatte den Paragrafen 175 verschärft und Zehntausende Männer strafrechtlich verfolgen lassen. Bei Beck trat jedoch noch die nationalsozialistische Verfolgung als Jude hinzu.

Historisch muss dabei sauber unterschieden werden: Seine spätere Verhaftung erfolgte nicht nachweislich aufgrund seiner Homosexualität, sondern im Zusammenhang mit seiner jüdischen Herkunft und seiner Widerstandsarbeit. Das macht seine Situation nicht weniger außergewöhnlich. Ein junger schwuler Jude bewegte sich im Zentrum eines Staates, der sowohl Juden vernichten als auch homosexuelle Männer ausgrenzen und verfolgen wollte.

Manfred Lewin: die Liebe, die nicht gerettet werden konnte

In einer jüdischen Jugendgruppe lernte Gad Beck Manfred Lewin kennen. Die beiden verliebten sich. Manfred schenkte Gad ein kleines, handgefertigtes Erinnerungsbuch mit Zeichnungen, Texten und Momentaufnahmen ihres gemeinsamen Lebens. Dieses Buch befindet sich heute im United States Holocaust Memorial Museum.

Es ist kein abstraktes Dokument. Es ist ein Zeugnis zweier junger Männer, die in einer Zeit lieben wollten, in der ihnen selbst das Recht auf eine Zukunft genommen wurde.

Als Manfred und seine Familie deportiert werden sollten, unternahm Beck einen beinahe unglaublichen Rettungsversuch. Nach seiner späteren Darstellung lieh er sich eine Uniform der Hitlerjugend, erschien im Sammellager und gab vor, Manfred werde dringend für einen Arbeitseinsatz benötigt. Tatsächlich gelang es ihm, seinen Freund aus dem Gebäude herauszuholen.

Doch Manfred wollte seine Eltern und Geschwister nicht alleinlassen. Er kehrte zu seiner Familie zurück.

Manfred Lewin wurde mit seinen Angehörigen deportiert und in Auschwitz ermordet.

Diese Geschichte wurde zu einem zentralen Bestandteil von Becks Erinnerungen. Einzelne dramatische Details seiner Autobiografie sind später von Historikern und den Machern eines Dokumentarfilms kritisch diskutiert worden, weil Beck als begnadeter Erzähler gelegentlich zugespitzt haben soll. Das Grundgerüst seiner Biografie, seine Beziehung zu Manfred, dessen Deportation und Becks spätere Widerstandsarbeit sind jedoch umfassend dokumentiert.

Widerstand statt Opferrolle

Gad Beck blieb nicht bei Trauer und Verzweiflung stehen. Er wurde Teil des Chug Chaluzi, eines zionistischen jüdischen Untergrundnetzwerks in Berlin. Nachdem dessen Leiter Jizchak Schwersenz in die Schweiz entkommen war, übernahm Beck gemeinsam mit anderen jungen Mitgliedern Verantwortung für die Gruppe.

Sie organisierten Lebensmittelkarten, Geld, gefälschte Dokumente, Fluchtmöglichkeiten und Unterkünfte. Sie hielten Kontakt zu Menschen, die bereit waren, Juden zu verstecken. Beck bewegte sich durch Berlin, obwohl Entdeckung, Folter und Tod jederzeit möglich waren.

Später erklärte er, gerade seine Kontakte zu nichtjüdischen homosexuellen Bekannten hätten ihm geholfen, Verstecke und Lebensmittel zu beschaffen:

„Als Homosexueller konnte ich mich an meine vertrauenswürdigen nichtjüdischen homosexuellen Bekannten wenden, um Lebensmittel und Verstecke zu beschaffen.“

Seine Homosexualität war damit nicht nur ein zusätzliches Risiko. Das soziale Netzwerk, das daraus entstanden war, wurde zu einem Instrument des Widerstands.

Ein anderes überliefertes Beck-Zitat beschreibt, wie wenig Überleben im Untergrund mit romantischem Heldentum und wie viel es mit praktischer Solidarität zu tun hatte:

„Wenn ein Jude während des Krieges mindestens zwei Jahre überlebte, wurde ihm von sieben Christen geholfen.“

Beck wusste, dass niemand im Untergrund allein überleben konnte. Es brauchte Menschen, die ein Bett bereitstellten, Lebensmittel teilten, falsche Namen akzeptierten, Fragen nicht stellten und trotz eigener Gefahr nicht wegschauten.

Im März 1945 wurde Beck verraten und festgenommen. Gemeinsam mit seinem Freund und Mitstreiter Zvi Aviram geriet er in Gestapohaft. Zu diesem Zeitpunkt waren die letzten großen Deportationszüge bereits abgefahren. Dennoch mussten die Gefangenen fürchten, kurz vor dem Zusammenbruch des Regimes ermordet zu werden.

Beck beschrieb später diese Ungewissheit:

„Würden sie uns erschießen? Oder waren wir für sie inzwischen wichtig genug für die Zeit danach?“

Am 24. April 1945 wurden Beck und seine Mitgefangenen befreit. Er hatte das nationalsozialistische Deutschland überlebt – nicht durch Anpassung, sondern als aktives Mitglied des jüdischen Widerstands.

Warum Gad Beck nach Israel ging

Nach dem Krieg lebte Beck zunächst in München. 1947 emigrierte er nach Palästina beziehungsweise in das kurz darauf gegründete Israel. Dort verbrachte er mehr als drei Jahrzehnte.

Diese Entscheidung war keine Fußnote. Sie gehörte zum Kern seiner politischen und persönlichen Entwicklung.

Für junge Zionisten wie Beck war ein jüdischer Staat keine theoretische Provokation und kein akademisches Seminar über „Siedlerkolonialismus“. Er war die Konsequenz aus der Erfahrung, dass europäische Staaten Juden entrechtet, ausgeraubt, deportiert und ermordet hatten, während ein großer Teil der Welt seine Grenzen geschlossen hielt.

Wer heute behauptet, Zionismus sei seinem Wesen nach nichts anderes als Rassismus, müsste einem Mann wie Gad Beck erklären, wohin Juden nach Auschwitz hätten gehen sollen. Er müsste erklären, warum ausgerechnet das jüdische Volk auf nationale Selbstbestimmung verzichten sollte, nachdem sich die angeblich zivilisierte Welt als unfähig oder unwillig erwiesen hatte, jüdisches Leben zu schützen.

Man kann israelische Regierungen kritisieren. Man kann Entscheidungen der israelischen Armee, Siedlungspolitik oder einzelne Minister scharf verurteilen. Das gehört zu einer offenen Gesellschaft und geschieht auch innerhalb Israels jeden Tag.

Etwas anderes ist es, Israel als einzigem jüdischen Staat grundsätzlich die Existenzberechtigung abzusprechen, jüdische Menschen kollektiv für israelische Politik verantwortlich zu machen oder Terror gegen Israelis als „Widerstand“ zu verklären.

Gad Becks Lebensweg macht diese Unterscheidung unübersehbar.

Rückkehr in die Bundesrepublik: anerkannt, aber nicht ausreichend geehrt

1979 kehrte Beck gemeinsam mit seinem langjährigen Lebensgefährten Julius Laufer nach Deutschland zurück. In Berlin arbeitete er eng mit Heinz Galinski zusammen, dem damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und späteren Präsidenten des Zentralrats der Juden.

Beck wurde Leiter der Jüdischen Volkshochschule Berlin. Damit erhielt er eine zentrale Position in der jüdischen Bildungs- und Erinnerungsarbeit der Bundesrepublik. Er organisierte Veranstaltungen, hielt Vorträge und vermittelte jüdische Geschichte, Religion und Gegenwart an ein deutsches Publikum.

1995 erschien seine Autobiografie „Und Gad ging zu David – Die Erinnerungen des Gad Beck 1923 bis 1945“. Die englische Ausgabe wurde unter dem Titel „An Underground Life: Memoirs of a Gay Jew in Nazi Berlin“ veröffentlicht. Beck reiste zu Lesungen und Vorträgen durch Europa und die Vereinigten Staaten. Seine Aussagen wurden von bedeutenden Einrichtungen wie dem United States Holocaust Memorial Museum und der USC Shoah Foundation aufgezeichnet und archiviert. Yad Vashem verwendet seine Geschichte in der pädagogischen Arbeit.

Eine große staatliche Auszeichnung wie das Bundesverdienstkreuz lässt sich in den maßgeblichen biografischen Darstellungen jedoch nicht zuverlässig nachweisen. Angesichts seiner Widerstandsarbeit, seiner jahrzehntelangen Bildungsarbeit und seines Einsatzes für jüdisches Leben ist diese auffällige Lücke zumindest bemerkenswert.

Beck wurde gehört, porträtiert und in Museen dokumentiert. Er wurde jedoch nie zu einer so allgemein bekannten Persönlichkeit der deutschen Erinnerungskultur wie andere Widerstandskämpfer.

Das mag auch daran liegen, dass er nicht in die vertrauten Muster passte. Er war kein nichtjüdischer Deutscher, der Juden rettete, sondern ein Jude, der selbst Widerstand leistete. Er war schwul, ohne seine jüdische Identität einem universellen Aktivismus unterzuordnen. Er lebte in Israel, kehrte nach Deutschland zurück und weigerte sich damit, nur eine einzige, politisch verwertbare Rolle zu spielen.

Gad Beck starb am 24. Juni 2012 in Berlin, wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag. Julius Laufer, mit dem er etwa 35 Jahre zusammengelebt hatte, überlebte ihn.

Dass sein Andenken nicht verschwunden ist, zeigt eine für Juli 2026 angekündigte Berliner Gedenkveranstaltung, bei der sein Lebensweg anhand von Fotos, Texten und Videozeugnissen nachgezeichnet werden soll. Das ist richtig und wichtig. Es kommt jedoch spät – und es darf nicht bei einer folgenlosen Erinnerungszeremonie bleiben.

Gad Beck und der blinde Fleck von „Queers for Palestine“

Heute marschieren Gruppen unter Bezeichnungen wie „Queers for Palestine“ durch westliche Großstädte. Natürlich dürfen homosexuelle Menschen für die Rechte palästinensischer Zivilisten eintreten. Mitgefühl ist kein Widerspruch, und Kritik an der israelischen Regierung ist nicht automatisch antisemitisch.

Problematisch wird es dort, wo Aktivisten die Hamas verharmlosen, die gezielte Ermordung israelischer Zivilisten aus dem historischen Zusammenhang entfernen, die Geiseln vergessen oder Israel nicht kritisieren, sondern abschaffen wollen.

Dann wird aus Menschenrechtsaktivismus eine moralische Maskerade.

Eine Bewegung, die behauptet, im Namen queerer Menschen zu sprechen, müsste zuerst erklären, warum sie so häufig mit Kräften demonstriert, die weder jüdische Selbstbestimmung noch homosexuelle Freiheit anerkennen. Sie müsste erklären, weshalb jüdische Queers auf manchen Veranstaltungen ihre Davidsterne oder israelischen Symbole verstecken sollen, damit die angeblich solidarische Atmosphäre nicht gestört wird.

Vor allem müsste sie erklären, was ihre Solidarität mit einem schwulen Juden wie Gad Beck konkret bedeuten würde.

Hätte sie ihm 1947 zugerufen, er dürfe nach der Vernichtung seiner europäischen Welt keinen jüdischen Staat wollen? Hätte sie seinen Zionismus als „kolonial“ verurteilt? Hätte sie ihm erklärt, jüdische Selbstverteidigung sei grundsätzlich verdächtig? Hätte sie Manfred Lewin als Opfer betrauert, aber den überlebenden Gad moralisch verurteilt, sobald er nach Israel ging?

Das sind keine rhetorischen Nebensächlichkeiten. Sie legen den Widerspruch einer Politik offen, die Identitäten nur so lange schützt, wie sie in das eigene Weltbild passen.

Die dokumentierte Lage in Deutschland zeigt, dass dies nicht bloß eine akademische Debatte ist. RIAS erfasste für 2024 insgesamt 8.627 antisemitische Vorfälle – rund 77 Prozent mehr als im Vorjahr und rechnerisch fast 24 pro Tag. Dazu gehörten Angriffe, Bedrohungen und Fälle extremer Gewalt. An Bildungseinrichtungen wurden Hunderte Vorfälle registriert; israelbezogener Antisemitismus spielte bei einem erheblichen Teil eine zentrale Rolle. Zugleich erreichten auch rechtsextrem motivierte Vorfälle einen neuen Höchststand. Antisemitismus kommt also weiterhin von rechts, aber eben nicht nur von dort.

Wer Antisemitismus nur erkennt, wenn der Täter Springerstiefel trägt, hat das Problem der Gegenwart nicht verstanden.

Er kann heute auch im akademischen Vokabular auftreten, mit progressiven Symbolen werben und sich als Befreiungsbewegung inszenieren. Er beginnt dort, wo Juden nicht mehr als individuelle Menschen wahrgenommen werden, sondern als Stellvertreter Israels; wo israelische Opfer als weniger betrauernswert gelten; wo die Vernichtung des jüdischen Staates als emanzipatorisches Projekt verkauft wird.

Erinnerung ohne Konsequenz ist wertlos

Gad Beck eignet sich nicht als bequemes Maskottchen. Man kann ihn nicht auf „schwuler Holocaustüberlebender“ reduzieren und den jüdischen Widerstand, den Zionismus und sein Leben in Israel einfach ausblenden.

Er war alles zugleich.

Seine Geschichte sagt uns, dass Minderheiten nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Sie sagt aber ebenso, dass jüdische Menschen nicht verpflichtet sind, ihre Sicherheit einer politischen Theorie zu opfern. Und sie erinnert daran, dass Solidarität sich nicht daran beweist, welche Flagge man bei einer Demonstration trägt, sondern ob man einem bedrohten Menschen tatsächlich beisteht.

Gad Beck organisierte Lebensmittel, Verstecke und falsche Papiere. Er riskierte sein Leben, um andere zu retten. Er kannte den Unterschied zwischen moralischer Pose und wirklicher Hilfe.

Heute wird das Wort „Widerstand“ von Menschen verwendet, die Massaker an Zivilisten relativieren. Das Wort „Genozid“ wird inflationär eingesetzt, während der offen erklärte Vernichtungswille antisemitischer Terrororganisationen kleingeredet wird. Und ausgerechnet Aktivisten, die sich als Vertreter sexueller Minderheiten verstehen, schweigen häufig, wenn jüdische Queers ausgegrenzt werden.

Gad Beck hält dieser Haltung einen Spiegel vor.

In diesem Spiegel erscheint keine einfache Heldengeschichte. Man sieht einen jungen Mann, der seinen Geliebten verlor, seine Familie schützen musste, sich im Untergrund organisierte, von der Gestapo verhaftet wurde, nach Israel ging und später in das Land seiner Verfolger zurückkehrte, um dort jüdisches Leben und historische Bildung aufzubauen.

Man sieht einen schwulen Juden, der sich weigerte, nur Opfer zu sein.

Und man sieht, wie hohl ein moderner Antifaschismus wird, wenn er den Hass auf Juden nicht bekämpft, sondern neu etikettiert.

Gad Beck verdient mehr als ein gelegentliches Gedenken. Er verdient einen festen Platz in der deutschen Erinnerungskultur – als jüdischer Widerstandskämpfer, als homosexueller Zeitzeuge, als Zionist und als Mahnung an alle, deren Solidarität ausgerechnet dort endet, wo jüdisches Leben beginnt.

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