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Ulrich Siegmund: Familie, Karriere und AfD-Aufstieg

Wer ist Ulrich Siegmund wirklich? Vom Kaufmann aus Tangermünde über den Unternehmer und Familienvater bis zum AfD-Spitzenkandidaten: Herkunft, Frau, Tochter, Familie, Karriere, Kontroversen und der Weg zur möglichen Staatskanzlei.

Ulrich Siegmund: Familie, Karriere und AfD-Aufstieg
Endlich einmal kein Politiker mit der klassischen Karriere Schule – Hörsaal – Parteibüro – Plenarsaal. Mit KI generiert.

Ulrich Siegmund: Herkunft, Familie, Karriere – der Mann, der Sachsen-Anhalt verändern will

Endlich einmal kein Politiker mit der klassischen Karriere Schule – Hörsaal – Parteibüro – Plenarsaal

Ulrich Siegmund machte eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete im Vertrieb, wurde Unternehmer und kam erst danach in die große Politik. Heute könnte der 35-Jährige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden.

Seine Biografie führt vom Elektrogroßhandel über eine Berliner Augenklinik und ein Wirtschaftspsychologie-Studium bis an die Spitze der AfD-Fraktion. Auch seine Familie spielt in seinem politischen Selbstbild eine auffallend große Rolle.

MAGDEBURG/TANGERMÜNDE. Wer verstehen will, warum Ulrich Siegmund inzwischen zu den bekanntesten Politikern der AfD gehört, muss nicht in Berlin beginnen, sondern in der Altmark.

Dort liegt Tangermünde, jene Kleinstadt an der Elbe, die Siegmund immer wieder als Heimat bezeichnet. Geboren wurde er am 25. Oktober 1990 in Havelberg, aufgewachsen ist er jedoch in Tangermünde. Heute lebt er dort mit seiner Frau und seiner Tochter. Offizielle Angaben des Landtages nennen ihn als verheiratet und Vater einer leiblichen Tochter.

Diese Herkunft ist längst mehr als eine biografische Randnotiz. Siegmund macht daraus einen wesentlichen Bestandteil seiner politischen Marke: Heimat, Familie, wirtschaftlicher Aufstieg, regionale Verwurzelung und Distanz zum politischen Betrieb Berlins.

Dabei ist sein Lebenslauf für einen Berufspolitiker ungewöhnlich geradlinig wirtschaftlich geprägt.

Kindheit und Familie: Aufgewachsen in Tangermünde

Über Siegmunds Privatleben ist vergleichsweise wenig öffentlich bekannt. Das ist bemerkenswert angesichts seiner starken öffentlichen Präsenz.

Bekannt ist: Sein Vater Andreas Siegmund, Jahrgang 1960, arbeitete unter anderem als Ingenieur und Verkaufsleiter und engagierte sich später ebenfalls im Umfeld der AfD. Sein älterer Bruder sitzt parteilos im Stadtrat von Tangermünde. Seine Mutter starb nach Angaben des MDR im Jahr 2019 bei einem Unfall.

Siegmund selbst beschreibt sein Elternhaus als leistungsorientiert. Seine Eltern hätten ihm vermittelt, dass einem im Leben nichts einfach zufalle. Dieses Motiv zieht sich auffällig durch seine Selbstdarstellung: arbeiten, etwas aufbauen, Verantwortung übernehmen.

Seine heutige Kernfamilie hält er dagegen weitgehend aus dem politischen Rampenlicht heraus.

Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Seine Ehefrau wird öffentlich nur selten erwähnt. In einem Kandidatencheck von Radio SAW wird bestätigt, dass Siegmund mit seiner Frau in Tangermünde lebt.

Medienberichten zufolge trat seine Frau Julia vor der Hochzeit einmal in der VOX-Sendung „Zwischen Tüll & Tränen“ auf, wo sie nach einem Brautkleid suchte. Für Siegmunds politische Karriere spielt sie öffentlich jedoch keine erkennbare Rolle.

Damit unterscheidet sich Siegmund von Politikern, die ihre Familie regelmäßig Bestandteil ihrer öffentlichen Kommunikation werden lassen. Bei ihm bleibt die Familie politisches Leitmotiv, aber weitgehend private Angelegenheit.

Kein klassischer Akademiker-Lebenslauf

Auch schulisch nahm Siegmunds Karriere keinen typischen Weg in die Politik.

Nach der 11. Klasse verließ er das Gymnasium mit Fachhochschulreife. Statt weiter zur Schule zu gehen, wollte er nach eigener Darstellung möglichst schnell arbeiten.

Von 2008 bis 2011 absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Die Ausbildung fand nach Medienberichten bei einem Elektrogroßhandel statt. Anschließend arbeitete er zunächst als Kaufmann und kurz darauf bereits in leitender Funktion im Vertrieb.

2011 bis 2012 war er in einer Vertriebsleitung im Großhandel tätig.

Danach wechselte er beruflich nach Berlin.

Vom Vertrieb in die Berliner Augenklinik

Von 2012 bis 2014 arbeitete Siegmund als Key Account Manager für eine Augenklinik in Berlin.

Die Geschichte, wie er zu dieser Tätigkeit kam, gehört inzwischen fast zu den Anekdoten seiner Biografie: Nach eigener Darstellung hatte er sich dort selbst die Augen lasern lassen und wurde anschließend vom Chef der Klinik für eine Tätigkeit angeworben.

Parallel begann er 2013 ein Fernstudium.

Seine Fächer:

Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie.

2016 schloss er das Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Die Bachelorarbeit fiel zeitlich fast unmittelbar mit seinem Einzug in den Landtag zusammen.

2015 nahm er außerdem an einer Managementschulung in Peking teil.

Der Unternehmer: Geschäft mit Marketing und Raumdüften

2014 machte sich Siegmund selbstständig.

Sein Unternehmen war im Marketing- und Vertriebsbereich tätig. Bekannt wurde vor allem das Geschäft mit sogenannten Raumbeduftungssystemen.

Die Firma vertrieb Duftlösungen für Geschäftsräume und Unternehmen. Siegmund war über Jahre neben seinem politischen Mandat weiter unternehmerisch tätig. Der Landtag führte entsprechende entgeltliche Tätigkeiten noch für mehrere Jahre in seinen veröffentlichungspflichtigen Angaben auf.

Dieser Teil seiner Biografie ist für sein heutiges politisches Auftreten relevant.

Siegmund präsentiert sich weniger als klassischer Parteifunktionär und stärker als Verkäufer und Unternehmer.

Seine Kommunikationsweise trägt deutliche Spuren davon.

Kurze Botschaften. Wiederholungen. Emotional verständliche Formulierungen. Direkte Ansprache. Konsequentes Social-Media-Marketing.

Das ist kein Zufall.

Erste politische Erfahrungen bereits mit 19

Siegmund engagierte sich nach eigenen Angaben bereits mit 19 Jahren parteipolitisch.

Berichte aus dem Wahlkampf 2026 schreiben ihm auch eine frühere CDU-Mitgliedschaft zu. Diese Phase spielte für seinen späteren politischen Aufstieg allerdings kaum eine Rolle.

Entscheidend wurde das Jahr 2014.

Damals trat Siegmund der noch jungen Alternative für Deutschland bei.

Schon 2015 wurde er Vorstandsmitglied und Pressesprecher des AfD-Kreisverbandes Stendal.

Dann ging es schnell.

Mit 25 Jahren in den Landtag

Bei der Landtagswahl 2016 zog Ulrich Siegmund erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.

Er war damals gerade 25 Jahre alt.

Von Beginn an erhielt er Funktionen innerhalb der Fraktion. Er wurde gesundheitspolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Zudem arbeitete er unter anderem im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Medien und im Ältestenrat.

Parallel blieb er kommunalpolitisch aktiv.

Siegmund gehört dem Kreistag des Landkreises Stendal und dem Stadtrat von Tangermünde an.

Damit baute er seine politische Basis nicht allein im Landtag, sondern bewusst in seiner Heimatregion auf.

Der Aufstieg zum Fraktionsvorsitzenden

2022 folgte der nächste große Karriereschritt.

Seit August 2022 führt Siegmund gemeinsam mit Oliver Kirchner die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Damit wurde er zugleich zu einem der zentralen Oppositionspolitiker des Landes.

Seine öffentliche Bekanntheit war allerdings bereits zuvor stark gestiegen.

Vor allem während der Corona-Pandemie erzielten seine Videos und Auftritte große Reichweiten im Internet. ZDF und andere Medien beschreiben diese Phase als wichtigen Moment seines politischen Aufstiegs.

Siegmund verstand früher als viele Landespolitiker, wie soziale Netzwerke politische Kommunikation verändern.

Während Landtagsdebatten häufig nur ein kleines Fachpublikum erreichen, ließ er einzelne Aussagen gezielt für Facebook, Instagram, TikTok und andere Plattformen zuschneiden.

Daraus entwickelte sich eine politische Marke.

Der freundliche Verkäufer statt des klassischen Protestpolitikers

Interessant an Siegmund ist weniger, dass er typische AfD-Themen vertritt.

Interessanter ist wie.

Sein Stil unterscheidet sich deutlich vom konfrontativen Auftreten vieler früherer AfD-Politiker.

Siegmund lächelt viel, tritt kontrolliert auf und spricht häufig mit bewusst positiver Grundstimmung.

Der MDR beschreibt ihn als geschliffenen Kommunikator, der Formulierungen präzise auswählt und Botschaften konsequent wiederholt.

ZDF charakterisiert ihn als Politiker, der das Erscheinungsbild seiner Partei verändert habe: weg von permanentem Zorn, hin zu Optimismus und Zukunftsrhetorik.

Genau darin dürfte ein wesentlicher Teil seines Erfolgs liegen.

Siegmund verkauft AfD-Politik weniger als Protest und stärker als Regierungsprojekt.

Familie als politisches Leitbild

Kaum ein Thema taucht bei Siegmund so regelmäßig auf wie Familie.

Dabei argumentiert er nicht nur abstrakt.

Er stellt seine eigene Rolle als Ehemann und Vater immer wieder in den Zusammenhang politischer Entscheidungen.

Auf seiner Wahlkampfseite schreibt er ausdrücklich, er wisse als Unternehmer und Familienvater, was Verantwortung bedeute.

Die familienpolitische Linie der AfD Sachsen-Anhalt geht deutlich darüber hinaus.

Das Programm setzt auf klassische Familienmodelle, finanzielle Förderung von Familien mit Kindern und eine stärkere Betonung traditioneller gesellschaftlicher Strukturen. Gleichzeitig lehnt die Partei viele staatliche Programme zu Gender- und LGBTQ-Themen ab.

Siegmund macht diese Themen zu einem Teil seines Versprechens eines grundlegenden gesellschaftlichen Kurswechsels.

Religion: katholisch aufgewachsen, später ausgetreten

Siegmund wurde katholisch erzogen.

2017 trat er jedoch aus der römisch-katholischen Kirche aus.

Nach eigenen Aussagen habe er zentrale christliche Werte behalten, lehne jedoch die Institution der Kirche in ihrer heutigen Form ab.

Auch hier findet sich ein Muster, das bei Siegmund häufig auftritt:

Er trennt zwischen persönlichen beziehungsweise kulturellen Traditionen und bestehenden Institutionen.

Von der Protestpartei zum Anspruch auf die Staatskanzlei

2026 erreichte seine Karriere einen Punkt, den noch wenige Jahre zuvor kaum jemand erwartet hätte.

Siegmund wurde Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Sein erklärtes Ziel lautet nicht Opposition.

Er will Ministerpräsident werden.

Seine Zielmarke formulierte er zeitweise mit „45 Prozent plus X“.

Am heutigen Wahltag, dem 6. September 2026, geht die AfD nach den letzten Umfragen mit mehr als 40 Prozent und einem großen Abstand zur CDU in die Abstimmung. Damit besitzt Siegmund eine reale Chance, die stärkste Partei im Landtag anzuführen.

Ob daraus tatsächlich eine Regierung entsteht, hängt von der Sitzverteilung und insbesondere davon ab, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Eine Koalition mit der AfD lehnen die übrigen großen Parteien bislang ab.

Siegmund selbst hat erklärt, er strebe die Regierungsführung an und wolle keinen bloßen Juniorpartnerstatus.

Was Siegmund politisch verändern will

Seine politischen Schwerpunkte entsprechen in vielen Punkten dem Kurs der AfD Sachsen-Anhalt.

Migration

Siegmund fordert deutlich mehr Abschiebungen und eine drastische Reduzierung irregulärer Migration.

Die AfD möchte dafür unter anderem eigene Abschiebestrukturen ausbauen und restriktivere Regelungen auf Landesebene durchsetzen.

Bildung

Das Programm sieht tiefgreifende Veränderungen vor.

Dazu zählen unter anderem separate Schulangebote für bestimmte Gruppen, eine stärkere Betonung klassischer Bildung sowie Änderungen bei Inklusion und Integrationsangeboten. Einige Vorschläge sind verfassungsrechtlich beziehungsweise politisch stark umstritten.

Wirtschaft

Siegmund fordert weniger Bürokratie, niedrigere Energiepreise und eine stärkere Orientierung der Politik an mittelständischen Unternehmen.

Hier greift er regelmäßig auf seine eigene Unternehmerbiografie zurück.

Medien

Die AfD Sachsen-Anhalt möchte bestehende Rundfunkstaatsverträge kündigen beziehungsweise das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem grundlegend verändern.

Familie und Gesellschaft

Traditionelle Familie, stärkere Geburtenförderung und konservative gesellschaftspolitische Leitbilder gehören zu den zentralen Bestandteilen des Programms.

Warum Ulrich Siegmund politisch so interessant ist

Siegmund verkörpert eine neue Generation der AfD.

Er ist jung genug, um nicht mit den Gründungsauseinandersetzungen der Partei identifiziert zu werden.

Er besitzt wirtschaftliche Berufserfahrung außerhalb der Politik.

Er beherrscht moderne Kommunikation.

Er kann politische Härte in freundlicher Verpackung präsentieren.

Und er besitzt inzwischen eine Reichweite, die weit über Sachsen-Anhalt hinausgeht.

Seine Gegner sehen darin gerade die Gefahr.

Sie argumentieren, der moderate Ton verdecke Positionen, die sie für radikal oder extremistisch halten.

Seine Anhänger wiederum sehen genau das Gegenteil: einen Politiker, der ein umstrittenes Programm ruhig, professionell und regierungsfähig präsentiert.

Beide Einschätzungen erklären einen Teil seiner Wirkung.

Ulrich Siegmund ist längst mehr als ein Landespolitiker

Die Landtagswahl 2026 entscheidet deshalb nicht nur über seine persönliche Zukunft.

Ein überzeugender Wahlsieg würde Siegmund schlagartig zu einem der wichtigsten Politiker der AfD machen.

Sollte er Ministerpräsident werden, wäre seine Bedeutung noch erheblich größer.

Dann hätte die AfD erstmals gezeigt, wie sie tatsächlich ein deutsches Bundesland regiert.

Und Siegmund wäre jener Politiker, an dessen Erfolg oder Scheitern dieses Experiment gemessen würde.

Vielleicht ist das der entscheidende Punkt seiner bisherigen Biografie:

Ulrich Siegmund begann seine Karriere als Verkäufer. Heute versucht er, den Wählern nicht mehr ein Produkt zu verkaufen, sondern die Aussicht auf einen völlig anderen politischen Kurs für Sachsen-Anhalt.

Ob genügend Menschen dieses Angebot annehmen, entscheidet sich an diesem Wahlsonntag.


Ulrich Siegmund – Steckbrief

Geboren: 25. Oktober 1990 in Havelberg
Aufgewachsen: Tangermünde
Wohnort: Tangermünde
Familienstand: verheiratet
Kinder: eine Tochter
Ausbildung: Kaufmann im Groß- und Außenhandel
Studium: Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie
Abschluss: Bachelor of Arts
Beruf: Unternehmer/Kaufmann
AfD-Mitglied: seit 2014
Landtagsabgeordneter: seit 2016
AfD-Fraktionsvorsitzender: seit 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner
Kommunalpolitik: Stadtrat Tangermünde, Kreistag Landkreis Stendal
Spitzenkandidat: AfD Sachsen-Anhalt 2026
Politisches Ziel: Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt


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Geschrieben von

Leon Berger
Leon Berger
Leon Berger ist Journalist mit handwerklicher Ausbildung und internationaler Perspektive. Nach Abitur und Volontariat prägten journalistische Stationen in Washington und Tel Aviv seinen Blick auf Politik und Gesellschaft.

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