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Investigativ

Gen Z regelt? Von wegen!

Eine ganze Generation soll am 31. Oktober demonstrieren. Aber wer hat „Gen Z regelt“ ermächtigt, in ihrem Namen zu sprechen? Marode Schulen, hohe Mieten, Wehrpflicht und Revolutionsparolen: Wir untersuchen die politischen Netzwerke – und erinnern an die Wohnungsnot, die schon frühere Studenten traf.

Gen Z regelt? Von wegen!
Wer zieht hier die Fäden? Unter dem Etikett „Gen Z regelt“ werden Schülerproteste, Wohnungsnot und politische Systemkritik vermischt. Doch wer bestimmt die Agenda – und wer lässt sich vor den Karren spannen? Illustration von Richard Bergsirk für Die Vossische

Die große Mogelpackung hinter dem Schülerprotest

Kaputte Schulen, explodierende Mieten, Wehrpflicht, Aufrüstung und plötzlich sogar Fantasien über die „Enteignung“ von Gucci-Geschäften: Unter dem Etikett eines Schülerprotests soll eine ganze Generation mobilisiert werden. Doch wer hat die Organisatoren überhaupt ermächtigt, für diese Generation zu sprechen? Warum werden völlig unterschiedliche politische Forderungen zusammengeschüttet? Und welche Gruppen verfolgen dabei ihre ganz eigenen Ziele? Ein Essay über politische Vereinnahmung, fragwürdige Parolen, die PISA-Krise und eine Wohnungsnot, die es schon gab, als Studenten noch Telefonzellen besetzen mussten.

Die Generation Z soll aufstehen. Aber gegen was eigentlich?

Man stelle sich vor, jemand organisiert eine Demonstration gegen kaputte Schultoiletten.

Ein vernünftiges Anliegen. Niemand möchte seine Kinder in einer Schule unterrichten lassen, in der es durch die Decke regnet, die Heizung ausfällt oder die Toiletten unbenutzbar sind.

Doch plötzlich geht es auch um Mieten. Um Lebenshaltungskosten. Um Wehrpflicht. Um Aufrüstung. Um Klimapolitik. Um Sozialleistungen. Um die große gesellschaftliche Veränderung.

Aus dem Schultoilettenproblem wird innerhalb weniger Zeilen beinahe eine Generalabrechnung mit der Bundesrepublik.

Und darüber steht ein Name, der gleich den Anspruch auf eine ganze Altersgruppe erhebt: „Gen Z regelt“.

Wirklich?

Wer hat diese Menschen eigentlich ermächtigt, für eine ganze Generation zu sprechen?

Wer hat sie gewählt? Wer hat ihnen ein Mandat erteilt? Wie viele Angehörige der Generation Z unterstützen ihre Forderungen tatsächlich?

Die Antwort ist bemerkenswert einfach: Ein solcher Repräsentationsanspruch ist bislang nicht durch eine repräsentative Erhebung oder ein demokratisches Mandat belegt.

Die Generation Z ist keine politische Partei. Sie hat keinen Bundesvorstand, kein gemeinsames Programm und keine einheitliche Weltanschauung.

Zu ihr gehören Schüler und Studenten, Auszubildende, junge Arbeitnehmer, Unternehmer, Akademiker und Eltern. Menschen mit unterschiedlichen familiären, wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründen.

Und selbstverständlich Menschen, die mit den politischen Vorstellungen der Organisatoren von „Gen Z regelt“ überhaupt nichts anfangen können.

Ich kenne zahlreiche junge Menschen aus dieser Altersgruppe. In der Familie, im Freundeskreis, in meinem beruflichen Umfeld und in der Redaktion.

Sie haben unterschiedliche internationale Familiengeschichten, gute Ausbildungen, berufliche Perspektiven und eigene Vorstellungen davon, wie sie ihr Leben gestalten möchten.

Keiner von ihnen fühlt sich durch diese Initiative vertreten.

Das ist natürlich keine repräsentative Umfrage.

Aber es illustriert einen fundamentalen Denkfehler: Eine politische Gruppierung wird nicht dadurch zur Stimme einer Generation, dass sie deren Namen auf ihre Website schreibt.

Hier demonstriert nicht „die Generation Z“. Hier mobilisieren konkrete politische Akteure unter einem generationellen Markennamen.

Und genau deshalb lohnt sich der Blick hinter die Kulissen.

Ein Protest für alle: Hauptsache, irgendjemand findet einen Grund

Die Forderungen sind so zusammengestellt, dass sich nahezu jeder irgendwo wiederfinden kann.

Schüler sollen wegen ihrer Schulen kommen.

Studenten wegen ihrer Mieten.

Junge Arbeitnehmer wegen der Lebenshaltungskosten.

Wehrpflichtgegner wegen der Bundeswehr.

Linke Aktivisten wegen Sozialkürzungen und Aufrüstung.

Klimaschützer wegen der Umweltpolitik.

Das ist keine zufällige thematische Überschneidung. Zumindest eine beteiligte politische Organisation beschreibt diese Verknüpfung ausdrücklich als Strategie.

Am 27. Oktober erklärte eine Sprecherin der sozialistischen Organisation Young Struggle gegenüber der jungen Welt, man wolle die Forderungen nach besserer Bildung und gegen die Wehrpflicht mit Militarisierung, Sozialabbau und der politischen Krise Europas verbinden.

Damit liegt eine bemerkenswerte Selbstauskunft vor.

Es geht dieser Organisation nicht ausschließlich um bessere Schulen. Sie möchte den Protest in eine größere politische Auseinandersetzung einordnen.

Dagegen ist als politische Betätigung zunächst nichts einzuwenden. Parteien, Gewerkschaften und Bewegungen haben seit jeher unterschiedliche Forderungen zusammengeführt.

Aber dann sollte man das offen benennen.

Ein politisches Sammelbündnis ist keine Schülervertretung. Und ein revolutionär ausgerichteter Akteur wird nicht dadurch zur unpolitischen Jugendinitiative, dass er auf einem Plakat kaputte Schulen erwähnt.

Die entscheidende Frage lautet: Wissen alle, die für bessere Schulen demonstrieren möchten, welche anderen Ziele unter demselben Protestmotto vertreten werden?

Und wer entscheidet eigentlich, welche Gruppen unter diesem Namen auftreten dürfen?

München: Wir hatten Wohnungsnot, als es noch keine Smartphones gab

Ich erinnere mich sehr gut an meine Studienzeit.

Ich kam aus einer mittelgroßen Großstadt in Norddeutschland nach München, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Meine damalige Freundin studierte Design.

Wir standen vor einem Problem, das heutigen Studenten erstaunlich bekannt vorkommen dürfte.

Wir brauchten eine Wohnung.

Und in München eine Wohnung zu finden war schon damals ein kleines Kunststück.

Zunächst wohnten wir zusammen in einer Wohnung auf Zeit. Andere Studenten mussten zeitweise in Jugendherbergen oder sonstigen provisorischen Unterkünften unterkommen.

Der Münchner Wohnungsmarkt war teuer, angespannt und voller Konkurrenten.

Wir entwickelten deshalb eine regelrechte Strategie.

Die Süddeutsche Zeitung erschien damals bereits am Abend. Zunächst konnte man sie direkt am Verlagshaus in der Sendlinger Straße kaufen. Später verkauften Zeitungsverkäufer die Ausgabe in der U-Bahn und in Kneipen.

Für Wohnungssuchende war diese Abendausgabe Gold wert.

Einer von uns stellte sich rechtzeitig in eine Telefonzelle und besetzte sie.

Der andere organisierte die Zeitung.

Sobald wir die Wohnungsanzeigen hatten, wurde telefoniert. Eine Nummer nach der anderen. Schnell, möglichst ohne Unterbrechung.

Es gab keine Smartphones.

Keine Immobilienportale.

Keine Benachrichtigung per App.

Keinen digitalen Suchagenten, der neue Angebote automatisch meldete.

Wer eine brauchbare Wohnung gefunden hatte, musste sofort reagieren. Wer zu spät kam, konnte sich den Anruf häufig sparen.

Ich hatte schließlich einen Vorteil: Ich war neben meinem Studium bereits redaktionell tätig und konnte dadurch früher an Wohnungsanzeigen gelangen. Außerdem arbeitete ich bei einem Immobilienmakler.

Meine Freundin arbeitete neben ihrem Designstudium in einem Verlag.

Wir haben also studiert und nebenbei gearbeitet.

Nicht, weil wir besonders heroisch gewesen wären, sondern weil das zu unserem damaligen Leben gehörte.

Später konnte ich eine Zweieinhalbzimmerwohnung mieten.

Ich verschweige dabei nicht, dass ich aus einem finanziell gut gestellten Elternhaus stammte. Ich hatte Möglichkeiten, die anderen Studenten fehlten.

Trotzdem war selbst für meine Familie die Münchner Miete bemerkenswert.

Meine Mutter, die aus einer Gegend mit deutlich niedrigeren Mietpreisen kam, fragte mich sinngemäß, ob ich in München gleich ein ganzes Haus mit Schwimmbad gemietet hätte.

So teuer erschien ihr die Wohnung.

Und nein: Wir kamen damals nicht auf die Idee, die Enteignung irgendwelcher Geschäfte zur Lösung unserer Wohnungsprobleme zu erklären.

Wir mussten uns mit den tatsächlichen Bedingungen auseinandersetzen.

Die Wohnungsnot ist älter als die Generation Z

Nun könnte man diese Erinnerung als die übliche Geschichte eines älteren Menschen abtun, der behauptet, früher sei alles schwieriger gewesen.

Nur gibt es einen bemerkenswerten historischen Beleg.

Die Stadt München veröffentlichte 1988 einen Bericht unter dem Titel Der Wohnungsbau in München, 1968 bis 1988.

Darin stellte die Stadtverwaltung fest, dass die bayerische Landeshauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs praktisch keinen ausgeglichenen Wohnungsmarkt erlebt hatte.

Das Mietniveau gehörte zu den höchsten in der Bundesrepublik.

Rund 17.000 Personen waren damals für eine Sozialwohnung vorgemerkt.

Die Verwaltung verwies ausdrücklich auf die Wohnungsprobleme der wachsenden Studentenschaft – und darauf, dass diese Probleme bereits Studentenproteste ausgelöst hatten.

Damit ist eines dokumentiert:

Wohnungsnot unter Studenten ist keine historische Entdeckung der Generation Z.

Sie beschäftigte bereits deren Eltern- und Großelterngenerationen.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass heutige Mietbelastungen identisch mit denen früherer Jahrzehnte wären. Einkommen, Wohnkosten, Studienbedingungen und Wohnungsmärkte verändern sich.

Aber wer die aktuelle Krise als ausschließliches Generationenschicksal inszeniert, lässt einen wesentlichen Teil der Geschichte weg.

Und wer politische Lösungen fordert, sollte die Ursachen untersuchen: fehlenden Wohnungsbau, Baulandpreise, Genehmigungsprobleme, Baukosten, Bevölkerungsentwicklung und die Folgen staatlicher Regulierung.

Eine Demonstration ersetzt keine Wohnung.

Und die Parole „bezahlbares Wohnen“ ersetzt noch kein wohnungspolitisches Konzept.

Kaputte Schulen: Wer soll die Milliarden eigentlich bezahlen?

Kommen wir zum angeblichen Ausgangspunkt der Proteste.

Den Schulen.

Das Problem ist real und gewaltig.

Das KfW-Kommunalpanel 2026 beziffert den von den Kommunen wahrgenommenen Investitionsrückstand bei Schulen auf 68,9 Milliarden Euro.

Eine Zahl, die jeden verantwortlichen Politiker beschäftigen müsste.

Doch jetzt folgt die Frage, die in der Protestdebatte viel zu selten konkret beantwortet wird:

Wer ist für diese Schulen überhaupt zuständig?

Deutschland ist ein föderaler Staat.

Schulpolitik und Lehrkräfte liegen in erster Linie in der Verantwortung der Bundesländer.

Für Schulgebäude, Sanierungen, Ausstattung und laufenden Unterhalt sind vielfach die Kommunen beziehungsweise die jeweiligen Schulträger verantwortlich.

Der Verteidigungshaushalt dagegen ist eine Angelegenheit des Bundes.

Wer also verkündet, man müsse einfach weniger Geld für die Bundeswehr und mehr für Schulen ausgeben, überspringt einen entscheidenden Teil des Problems.

Ein Euro weniger im Verteidigungshaushalt landet nicht automatisch auf dem Konto des Schulträgers in Gelsenkirchen, Hamburg oder München.

Natürlich gibt es Möglichkeiten, wie der Bund die Bildungsinfrastruktur mitfinanzieren kann. Artikel 104c des Grundgesetzes sieht entsprechende Finanzhilfen ausdrücklich vor.

Aber das setzt politische Entscheidungen, Finanzierungsprogramme und konkrete Verteilungsverfahren voraus.

Wer Bildung gegen Verteidigung ausspielen möchte, sollte wenigstens erklären können, wie die gewünschte Umschichtung funktionieren soll.

Welche Kommune soll wie viel Geld bekommen? Aus welchem Haushalt? Für welches Gebäude? Nach welchem Schlüssel?

Das wären Fragen, die eine ernsthafte schulpolitische Bewegung beantworten müsste.

Eine Parole mit Ausrufezeichen ist noch kein Haushaltsplan.

Und wer macht die Schultoiletten kaputt?

Bei der Diskussion über marode Schulen wird noch etwas regelmäßig vermischt.

Ein undichtes Dach ist ein baulicher Mangel.

Eine defekte Heizungsanlage ebenfalls.

Ein aus der Wand gerissener Seifenspender ist dagegen möglicherweise das Ergebnis mutwilliger Sachbeschädigung.

Dasselbe gilt für eingeschlagene Türen, zerstörte Toilettenschüsseln und vorsätzlich verwüstete Klassenräume.

Man kann nicht über den Zustand der Schulen reden, ohne zwischen Verschleiß, unterlassener Instandhaltung und Vandalismus zu unterscheiden.

Aus meiner eigenen Schulzeit erinnere ich mich an Hofdienste, Klassendienste und Reinigungsarbeiten, die Schüler selbst übernahmen.

Unsere Schulen waren keineswegs neu.

Aber sie waren sauber.

Es gehörte zum Schulalltag, für eine gewisse Ordnung in der eigenen Umgebung Verantwortung zu übernehmen.

Selbstverständlich ersetzt ein Hofdienst weder professionelle Reinigung noch notwendige Reparaturen. Und nicht jeder Schaden an einer heutigen Schule ist Vandalismus.

Aber die Frage muss erlaubt sein:

Warum wird über Milliarden für die Sanierung diskutiert, während die Kosten mutwilliger Zerstörung oft kaum gesondert sichtbar gemacht werden?

Wie viele Schulen dokumentieren ihre Vandalismusschäden?

Wie hoch sind diese Kosten?

Wie häufig werden Verursacher festgestellt und zur Verantwortung gezogen?

Wer über kaputte Schulen demonstriert, sollte sich auch dafür interessieren, wer sie beschädigt.

Kommunen ohne Geld: Die unbequeme Haushaltsfrage

Die nächste Frage lautet: Warum fehlen den Kommunen die finanziellen Mittel?

Nach dem KfW-Kommunalpanel 2026 schlossen die deutschen Kommunen das Jahr 2025 mit einem Defizit von 31,9 Milliarden Euro ab.

Das ist kein gewöhnliches kleines Haushaltsloch.

Es ist Ausdruck erheblicher struktureller Finanzprobleme.

Städte und Gemeinden finanzieren Schulen, Straßen, Verwaltung und zahlreiche soziale Pflichtaufgaben.

Hinzu kommen Kosten für Unterbringung, Betreuung und Integration im Zusammenhang mit Fluchtmigration.

Diese Ausgaben gehören auf den Prüfstand – ebenso wie sämtliche anderen großen kommunalen Ausgabenblöcke.

Es muss gefragt werden, welche Kosten tatsächlich bei den Kommunen verbleiben, welche Beträge Bund und Länder erstatten und ob zusätzliche Pflichtaufgaben Investitionen in Schulgebäude verdrängen.

Bereits der Münchner Wohnungsmarktbericht von 1988 erwähnte den Zustrom von Aussiedlern und Asylsuchenden als zusätzlichen Belastungsfaktor des damaligen Wohnungsmarktes.

Auch diese Diskussion ist also keineswegs erst gestern entstanden.

Allerdings wäre es finanzwissenschaftlich unseriös, sämtliche maroden Schulgebäude ohne konkrete Haushaltsdaten allein auf Migrationsausgaben zurückzuführen.

Genau deshalb brauchen wir Zahlen.

Welche Stadt hat eine Schulsanierung verschoben?

Weshalb?

Welche Ausgaben hatten Vorrang?

Welche Mittel fehlten?

Wer diese Fragen nicht stellt, demonstriert möglicherweise gegen die Folgen politischer Entscheidungen, ohne sich ernsthaft mit deren Ursachen zu beschäftigen.

PISA: Deutschland hat tatsächlich ein Bildungsproblem

Einen weiteren Befund sollten wir keineswegs übersehen.

Die im September veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sind für Deutschland alarmierend.

Nach Angaben der OECD erreichten deutsche Schüler in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften im langfristigen Vergleich die niedrigsten Ergebnisse seit Beginn der PISA-Erhebungen.

In Mathematik und Lesen verschlechterten sich die durchschnittlichen Ergebnisse sogar gegenüber 2022 weiter.

Deutschland hat also tatsächlich ein erhebliches Bildungsproblem.

Doch daraus folgt nicht, dass eine ganze Generation zu dumm für politische Entscheidungen wäre.

PISA untersucht schulische Kompetenzen, nicht die Intelligenz von Demonstranten.

Eine andere Frage ist allerdings legitim:

Wie fundiert sind die politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen derjenigen, die diese Proteste organisieren?

Kann jemand, der zusätzliche Milliarden für Schulen fordert, die Verantwortlichkeiten von Bund, Ländern und Gemeinden erklären?

Kann jemand, der Enteignung als politische Lösung ins Spiel bringt, ihre wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen erläutern?

Kann jemand, der gegen Aufrüstung demonstriert, erklären, welche staatlichen Haushalte betroffen sind?

Das sind keine unfairen Fragen an junge Menschen.

Es sind elementare Fragen an jeden, der politische Forderungen öffentlich erhebt.

Und möglicherweise liegt genau hier die eigentliche bildungspolitische Herausforderung: Nicht nur über bessere Schulen zu sprechen, sondern wirtschaftliche, rechtliche und politische Zusammenhänge zu verstehen.

Die Organisatoren: Eine Bewegung mit erstaunlich vielen offenen Fragen

Die Vossische hat bereits in vier Recherchen untersucht, wer hinter „Gen Z regelt“ steht.

Wer ist Selo? Geld, Adressen und offene Fragen
Akram Selo mobilisiert bundesweit für „Gen Z regelt“. Die Recherche führt von Hoya zu einer virtuellen Geschäftsadresse in Bayern, zu einer Spendensammlung und undurchsichtigen Organisationsstrukturen. Jetzt distanziert sich die Bundesschülerkonferenz. Wer finanziert und kontrolliert die Proteste?

Im Mittelpunkt stand zunächst Akram Selo, der öffentlich als Verantwortlicher der Protestinitiative auftritt.

Die Recherche dokumentierte wechselnde Impressumsanschriften, eine Spendensammlung und offene Fragen zur organisatorischen Leitung.

Gen-Z-Proteste: Wer steckt wirklich hinter den Aufrufen?
Die Gen-Z-Proteste haben eine Vorgeschichte: Schon vor Akram Selos Website mobilisierte die Internationale Jugend. Der Verfassungsschutz ordnet sie dem Kommunistischen Aufbau zu. Wer organisierte die Proteste, wer stellte die Mittel bereit und welche Rolle spielt Selo?

Dann tauchte eine weitere Spur auf.

Die Internationale Jugend hatte bereits am 15. Oktober unter dem Motto „#GenZ regelt!“ zu Protesten mobilisiert.

Gen-Z-Proteste: Die Spur nach Hildesheim
Gen-Z-Proteste am 31. Oktober: Die Internationale Jugend mobilisierte schon vor Akram Selos Website. Eine technische Spur führt zu Nameservern im Umfeld einer Hildesheimer Agentur. Zugleich warnen Behörden vor Extremisten; im Netz kursieren Aufrufe zu Plünderungen. Wer trägt Verantwortung?

Das war drei Tage vor der dokumentierten Registrierung der späteren zentralen Protestdomain.

Die Internationale Jugend ist keine spontan entstandene Schülergruppe.

Gen Z regelt: Sechs Köpfe, drei Adressen, offene Fragen
Sechs Köpfe im Kernteam, rund 30 Organisatoren, doch kaum Namen: Wer führt „Gen Z regelt“ wirklich? Akram Selo, 18, ist das öffentliche Gesicht. Sein Impressum wechselte von Hoya über Dietmannsried in die Schweiz. Gleichzeitig sucht die Initiative Leiter für 18 Ortsgruppen. Die Fragen bleiben offen.

Sie gehört zu einem bereits bestehenden politischen Organisationsumfeld. Sicherheitsbehörden ordnen sie dem linksextremistischen Spektrum zu.

Damit ist nicht nachgewiesen, dass sie die gesamte Initiative von Akram Selo gegründet, finanziert oder gesteuert hätte.

Aber es ist belegt, dass bestehende politische Gruppen schon früh an der Mobilisierung beteiligt waren.

Und damit entsteht die eigentliche investigative Frage:

Wer hat den gemeinsamen Protesttermin festgelegt, wer führte die verschiedenen Gruppen zusammen, und wer entscheidet heute über die politische Richtung?

Die Antworten sind auch deshalb wichtig, weil die Bewegung keineswegs einheitlich erscheint.

Ausgerechnet die Schülervertretung macht nicht mit

Am 24. Oktober veröffentlichte die Bundesschülerkonferenz eine bemerkenswerte Erklärung.

Sie distanzierte sich ausdrücklich von den für den 31. Oktober angekündigten Protesten in ihrer derzeitigen Form.

Nicht von besseren Schulen.

Nicht vom Recht junger Menschen, friedlich zu demonstrieren.

Sondern von den konkreten Proteststrukturen.

Die Schülervertretung warnte vor undurchsichtiger Organisation und möglicher politischer Instrumentalisierung.

Sie möchte eigene Protestformate entwickeln.

Das ist für „Gen Z regelt“ ein bemerkenswerter Vorgang.

Denn hier distanzieren sich nicht konservative Kommentatoren oder politische Gegner.

Hier gehen ausgerechnet organisierte Schülervertreter auf Abstand.

Und während diese Distanzierung öffentlich dokumentiert ist, behauptet der Name der Protestinitiative weiterhin eine generationelle Identität, die bislang nicht repräsentativ nachgewiesen wurde.

Eine Bewegung, die für Schüler sprechen möchte, sollte erklären können, weshalb die Bundesschülerkonferenz gerade ihre Organisationsform ablehnt.

Wenn plötzlich der Gucci-Laden zur sozialen Frage wird

Der nächste Widerspruch ist noch gravierender.

Am 26. Oktober erschien auf Instagram ein gemeinsamer Beitrag mehrerer protestnaher Konten, darunter genzregelt und genzregeltberlin.

Darin wird die Frage aufgeworfen, was daran schlimm wäre, wenn die Massen einen Gucci-Laden enteignen würden.

Zugleich wird eine scharfe Trennung zwischen friedlichen und gewalttätigen Demonstranten kritisiert.

Darüber berichteten die Ruhrbarone am 27. Oktober unter Vorlage von Screenshots.

Ein konkreter Aufruf, am Samstag ein bestimmtes Geschäft zu plündern, ist das nicht.

Aber die Wortwahl ist aufschlussreich.

Denn zwischen einer gesetzlichen Enteignung und einer gewaltsamen Plünderung besteht ein fundamentaler Unterschied.

Eine Enteignung ist ein staatlicher Eingriff unter rechtlich geregelten Voraussetzungen.

Wenn eine Menschenmenge ein Geschäft ausräumt, wird daraus nicht allein durch die politische Wortwahl eine rechtmäßige Enteignung.

Eine geplünderte Boutique ist keine Sozialreform.

Vor allem stellt sich die Frage, was solche Diskussionen eigentlich mit der Sanierung deutscher Schulen zu tun haben.

Was gewinnt ein Schüler in einer maroden Schule dadurch, dass politische Aktivisten über die Aneignung von Luxuswaren diskutieren?

Wie wird daraus eine bessere Bildung?

Wie wird daraus eine funktionierende Heizung?

Wie wird daraus eine bezahlbare Studentenwohnung?

Offenbar ist die politische Bühne inzwischen wesentlich größer als das ursprüngliche schulpolitische Anliegen.

Wer trägt die Verantwortung, wenn es eskaliert?

In privaten Telegram-Gruppen wurden inzwischen auch schwerwiegende Gewaltfantasien dokumentiert.

Die Berliner Zeitung berichtete am 28. Oktober über Chatnachrichten, in denen Plünderungen, Waffen und Angriffe auf jüdische Einrichtungen thematisiert wurden.

Die Urheber und ihre tatsächlichen Absichten sind nicht abschließend verifiziert. Ein organisatorischer Zusammenhang zu Selos zentralem Protestteam ist damit nicht bewiesen.

Die offiziellen Initiatoren distanzieren sich von Gewalt.

Gleichzeitig erklärte der frühere Sprecher Gianni Matheja seinen Rückzug mit auseinandergehenden Vorstellungen über Protestziele und Aktionsformen.

Das macht die Frage nach der tatsächlichen Kontrolle über das Bündnis umso wichtiger.

Wenn verschiedene Gruppen denselben Namen verwenden, aber grundlegend unterschiedliche Vorstellungen von zulässigem Protest besitzen, reicht eine allgemeine Erklärung zur Gewaltfreiheit organisatorisch nicht aus.

Wer ist verantwortlich?

Wer entscheidet über gemeinsame Aktionen?

Wer legt verbindliche Regeln fest?

Und wer schützt minderjährige Teilnehmer davor, in Situationen zu geraten, die mit dem ursprünglichen Anliegen nichts mehr zu tun haben?

Auch das gehört zu einer seriösen Protestorganisation.

Eine ganze Generation ist kein Werbeplakat

Am Ende geht es um einen einfachen Grundsatz.

Gen Z regelt: Der große Bluff vom Generationenkonflikt
Deutschland redet über einen Krieg zwischen Jung und Alt. Doch rund um „Gen Z regelt“ zeigen sich andere Konflikte: Warnungen vor Gewalt, extremistischer Vereinnahmung und ungelöste Integrationsfragen. Warum der Generationenkonflikt als Erklärung versagt – und was die Politik verschweigt.

Niemand hat die Generation Z gepachtet.

Nicht Akram Selo.

Nicht Young Struggle.

Nicht die Internationale Jugend.

Nicht irgendeine Partei.

Und auch nicht diejenigen, die mit besonders dramatischen Bildern aus Frankreich für den deutschen Protesttag werben.

Eine Generation besteht aus Individuen.

Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Interessen, politischen Vorstellungen und persönlichen Lebensentwürfen.

Manche werden am 31. Oktober demonstrieren.

Andere werden arbeiten.

Wieder andere werden lernen, ihre Familien besuchen, Sport treiben oder sich schlicht überhaupt nicht für diesen Aufruf interessieren.

Niemand wird dadurch mehr oder weniger Teil seiner Generation.

Eine politische Bewegung darf für bessere Schulen demonstrieren.

Sie darf gegen Wehrpflicht sein.

Sie darf bezahlbaren Wohnraum fordern.

Sie darf eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik verlangen.

Aber sie sollte ehrlich darüber sein, welche Ziele sie verfolgt, wer sie organisiert und wen sie tatsächlich vertritt.

Der eigentliche Skandal ist die ungeklärte Verantwortung

Deutschland braucht bessere Schulen.

Deutschland braucht Städte, die ihre Infrastruktur finanzieren können.

Deutschland braucht politische Debatten über bezahlbare Wohnungen, Migration, staatliche Ausgaben und die Zukunft der jungen Menschen.

Und Deutschland braucht eine Bildungspolitik, die junge Menschen in die Lage versetzt, komplexe Zusammenhänge selbstständig zu beurteilen.

Was Deutschland nicht braucht, ist die Verwechslung einer politischen Kampagne mit einer ganzen Generation.

Die bisherigen Recherchen zeigen, dass unter dem Motto „Gen Z regelt“ verschiedene politische Akteure mit teilweise unterschiedlichen Zielen mobilisieren.

Sie zeigen eine dokumentierte Vorgeschichte der Proteste.

Sie zeigen offene Fragen zur Organisation.

Sie zeigen die Distanzierung einer bundesweiten Schülervertretung.

Und sie zeigen, dass einzelne Beteiligte ausdrücklich weit über schulpolitische Forderungen hinausgehen wollen.

Das ist genügend Anlass für eine gründliche öffentliche Untersuchung.

Wer hat die Bewegung tatsächlich organisiert? Wer finanziert ihre Aktivitäten? Wer bestimmt ihre Forderungen? Wer verantwortet die örtlichen Aktionen? Und wer kann im Namen des gesamten Bündnisses verbindliche Zusagen machen?

Diese Fragen müssen nicht die Millionen Angehörigen der Generation Z beantworten.

Sie müssen von den Menschen beantwortet werden, die unter ihrem Namen mobilisieren.

Gen Z regelt?

Vielleicht sollte zunächst einmal geklärt werden, wer hier überhaupt etwas zu regeln beansprucht.

Denn eine ganze Generation ist kein politisches Eigentum.

Und ein Schülerprotest ist kein Blankoscheck für jede beliebige Agenda.


Die Vossische hat die organisatorischen Hintergründe der Protestinitiative bereits in zwei Recherchen untersucht:

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Geschrieben von

Moritz Neumann
Moritz Neumann, 24, aus Berlin-Dahlem, studierte Geisteswissenschaften. Er schreibt als Feuilletonist und Kolumnist für Die Vossische und prägt dort mit scharfer, eigenwilliger Stimme das Kultur- und Meinungsressort.

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